Fast Fashion

Fast Fashion

- Auswirkungen auf die Umwelt

Modeerscheinungen kommen und gehen. Sei es das Jeanshemd oder der senfgelbe Rock, der Trend verfliegt genauso schnell wie er gekommen ist. Was bleibt? Kleidungsstücke, die ungenutzt im Schrank hängen oder aussortiert werden.
Dieses Phänomen ist kein Einzelfall, denn jeder Deutsche kauft im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr. Hierzulande ist das ja auch kein Problem, schließlich findet man preiswerte Kleidung an jeder Straßenecke.
Die dadruch resultierenden Probleme haben wir in andere Länder verlagert. Denn die günstige Fast Fashion geht auf Kosten derer, die sie für einen Hungerlohn produzieren müssen. Doch dem ist nicht genug: Auch unsere Umwelt leidet extrem unter der Fast Fashion Industrie.

1. Fast Fashion Definition

Als Fast Fashion bezeichnet man massenhaft produzierte Kleidung oder Modeprodukte, die günstig gekauft und meist nur für kurze Zeit genutzt werden.

Neue Trends werden dabei in immer kürzeren Zyklen hervorgebracht. Inzwischen bringen Fast Fashion Giganten wie Zara und H&M 12-24 Kollektionen pro Jahr heraus – ein Vielfaches von dem, was früher üblich war. Mit Rabattaktionen, 2 für 1 oder Sale Angeboten werden zusätzlich immer neue Kaufanreize gesetzt, die den Kunden zur Schnäppchenjagt animieren.
Kleidung ist nicht nur unglaublich günstig, sondern auch schnelllebig geworden. Die Folge: Wir kaufen immer mehr und tragen es für immer kürzere Zeitspannen.

Kaum eine Industrie ist weniger vom Verschleiß der Produkte abhängig als die Fast Fashion Industrie. Neue Modeerscheinungen allein genügen, um Berge an Kleidung in Altkleider zu verwandeln.

2. Immer mehr für weniger Geld

Durch den Preisdruck und die Optimierung von Produktionsprozessen, ist der Preis von Kleidung im Vergleich zu anderen Konsumgütern stark gefallen, wie die folgende Abbildung zeigt.

Preisentwicklung von fast fashion

Dadurch ist es mehr Konsumenten möglich, ihren Kleiderschrank zu erweitern und vor allem stetig zu erneuern. So steigt der Konsum immer weiter. Von 2000 bis 2014 hat sich die Kleidungsproduktion dadurch fast verdoppelt. [4]
Gerade in aufstrebenden Wirtschaften wie in China, Indien oder Brazilien wächst die Nachfrage nach Kleidung besonders starkt, wobei sie noch immer nur einen Bruchteil unseres Konsums ausmacht.

3. Hoher CO2-Ausstoß

Unsere Kleidungsstücke haben zum Teil eine echte Weltreise hinter sich, bevor sie in unserem Kleiderschrank landen. Zum Teil werden sie für jeden einzelnen Produktionsschritt in ein anderes Land exportiert, wie dieses Beispiel eines T-Shirts zeigt. Bei einer Jeans sind sogar noch mehr Länder involviert, da bei der Näharbeit und Fertigstellung mehrere Schritte notwendig sind, die wieder in verschiedenen Ländern vorgenommen werden.

eise eines fast fashion t-shirts

Die Textilindustrie allein verursacht mehr CO2-Äquivalente als der internationale Flug- und Schiffsverkehr zusammen. Zudem wird hauptsächlich in Ländern mit niedrigen Umweltschutzstandards produziert, die somit auch auf einen geringen Ausstoß von Treibhausgasen und  gute Filtersysteme wenig Wert legen. Außerdem kommt die Energie für die Produktion dort häufig aus schmutzigen Kohlekraftwerken. Bei Wolle kommt zusätzlich der Methanausstoß der Schafe hinzu.

Außerdem enthalten 60% unserer Kleidung heute Polyester. Dieses hat durch den Anteil an fossilem Erdöl fast dreimal höhere CO2-Emissionen als Baumwolle. [4]

4. Baumwollanbau

  • Wasser: Baumwolle benötigt während des Heranwachsens sehr viel Wasser und kurz vor der Ernte ein besonders trockenes Klima. Deshalb wird sie meist in klimatisch trockenen Ländern angebaut und künstlich bewässert. [3] Laut Greenpeace werden je nach Produktionsprozess und Anbaugebiet rund 7000 Liter Wasser für die Herstellung einer einzigen Jeans benötigt. [2]

  • Insektizide: Baumwolle wird  üblicherweise in Monokulturen angebaut, weshalb sie besonders anfällig für Schädlinge ist. Um dem entgegenzuwirken, verwenden viele Bauern genmanipuliertes Saatgut und/oder eine unglaubliche Menge an Insektiziden. Ein Viertel aller weltweit eingesetzten Insektizide werden in der Baumwollproduktion eingesetzt. Dies hat nicht nur verheerende Folgen für die Artenvielfalt und die Fruchtbarkeit der Böden, sondern stellt auch eine große Belastung für das Grundwasser dar.

Eine Alternative ist Biobaumwolle. Dabei wird auf den Einsatz von synthetischen Insektiziden verzichten und in der Regel weniger Wasser verbraucht. [1]

5. Chemikalien

Insektizide und Pestizide sind nicht die einzigen Chemikalien, die in der Textilproduktion zum Einsatz kommen. Ganz im Gegenteil, denn die Fasern und Stoffe müssen vielfach behandelt werden, um die gewünschten Eigenschaften zu erhalten. Dazu gehören beispielsweise die Reisfestigkeit der Fasern, die gewünschte Stofffarbe sowie besondere Eigenschaften wie eine antibakterielle oder wasserabweisende Wirkung. Bis ein Kleidungsstück fertig ist, können so 19 verschiedene sogenannte Veredelungsschritte vorgenommen werden.

Dabei kann pro verarbeitetes Kilo Textil bis zu einem Kilo Chemikalien eingesetzt werden. Viele dieser Chemikalien gelangen anschließend ins Abwasser und die Flüsse, wo sie besonders in Ländern mit niedrigen Umweltstandards kaum herausgefiltert werden. Dieser Cocktail an Chemikalien ist hoch giftig und kann Teilweise sogar hormonell auf Organismen wirken.
Outdoor-Kleidung enthält besonders viele schädliche Chemikalien. [1]

Es gibt Flüsse in Asien, die aufgrund der angrenzenden Textilfärbereien mehrmals täglich die Farbe wechseln.

6. Niedrige Umweltschutzstandarts

Ein nicht unwesentlicher Grund, weshalb Kleidung außerhalb der EU produziert wird, sind die hohen Umweltschutz-Auflagen in der EU. Für importierte Ware gibt es hingegen keine Vorgaben oder Grenzwerte für enthaltene Chemikalien. Dadurch können in asiatischen Ländern Chemikalien und Pestizide „sorglos“ eingesetzt und auch entsorgt werden. Darüber hinaus werden die Emissionen weniger gemaßregelt und kontrolliert.

7. Der Schwindel der Altkleider-Container

Was machst du mit deiner aussortierten Kleidung? Hast du sie auch schon einmal der Einfachheit halber in einem Altkleider-Container entsorgt?
Dann war dir dabei bestimmt nicht bewusst, was anschließend damit passiert:
In vielen Fällen wird die kaputte Kleidung  aussortiert und die brauchbare Kleidung zum Beispiel nach Afrika verkauft. Richtig – verkauft.
Es handelt sich bei den Bereitstellern der Container in der Regel nicht um Wohltätigkeits-, sondern um Wirtschaftsunternehmen. Selbst bei augedrucktem Logo des Deutschen Roten Kreuzes, kannst du dir nicht sicher sein, denn das DRK verkauft sein Logo für eine bestimmte Summe für solche Zwecke.

Die Problematik liegt allerdings nicht nur darin, dass Menschen mit den von euch gespendeten Kleidern mehr oder weniger unrechtmäßig Geld verdienen, sondern vor allem darin, dass die Massen an günstiger Secondhandware aus Europa die ortsansässige Textilindustrie in einigen Ländern Afrikas zerstört haben. Die Kleidung legt damit außerdem noch einmal Tausende von Kilometern zurück, statt hier an Bedürftige gespendet oder in Secondhandshops weiterverkauft zu werden.

8. Das Müllproblem

Besonders in Ländern außerhalb Deutschlands landet ungenutzte Kleidung in Ermangelung von Alternativen zu großen Teilen auf dem Müll und damit in Verbrennungsanlagen oder auf Deponien.
Dadurch landen wertvolle Ressourcen auf dem Müll, die unter anderem aus synthetischen Fasern bestehen. Wie jede Form von Plastik benötigen diese für ihre Zersetzung besonders lange und werden im Laufe der Zeit zu Mikroplastik. Auch schon während des Waschens dieser Kleidung entsteht Mikroplastik, das über das Abwasser in die Umwelt und die Meere gelangt.

Recycling von Kleidung stellt für das Problem leider keine zufriedenstellende Lösung dar, da die Verfahren kostenintensiv sind und die so gewonnenen Fasern meist nur noch für minderwertiges Material wie Putzlappen oder Füllmaterial eingesetzt werden können. [4]

9. Fast Fashion vermehrt Ladenhüter

Überfluss an Kleidung herrscht nicht nur in deinem Kleiderschrank, sondern auch im Geschäft, wo ständig neue Ware nachgeliefert wird. Was mit den Massen an unverkaufter Kleidung geschieht ist unklar.

Es gab aber Berichte, dass diese im großen Stil vernichtet werden. Burberry soll vor einigen Jahren Ladenhüter im Millionenwert verbrannt haben. Die Markenvertreter erklärten öffentlich diese Praxis nicht mehr durchzuführen, doch was insgeheim hinter verschlossenen Türen vieler Modehäuser passiert, bleibt unaufgeklärt.

10. Ausbeutung von Mensch & Tier

Auch wenn sich dieser Artikel besonders auf die Umweltauswirkungen von Fast Fashion konzentriert, dürfen die präkeren Arbeitsbedingungen nicht außer Acht gelassen werden.
Der Anteil an Lohnkosten in der Preiszusammensetzung eines Kleidungsstückes beträgt gerade einmal 0,5-3%. In Bangladesch verdient eine Näherin beispielsweise 66 Dollar im Monat. Das reicht nicht einmal aus, um die Grundbedürfnisse einer Familie zu finanzieren.

Schlimmer noch sind aber die häufig schlechten Arbeitsbedigungen und der schlechte Arbeitsschutz, der besonders bei der Arbeit mit Chemikalien schlimme gesundheitliche Folgen haben kann.

Auch Tiere werden in der Fast Fashion Industrie skrupellos ausgebeutet und missbraucht. Enthüllungsvideos der Tierschutzorganisation Peta zeigen beispielsweise wie Angorakaninchen bei vollem Bewusstsein das Fell ausgerissen wird.

11. Fazit

Die Fast Fashion Industrie bringt eine ganze Reihe umweltschädlicher Folgen mit sich. Wertvolle Ressourcen wie Wasser und Erdöl werden verschwendet und Arbeitskräfte ausgebeutet. Die dabei entstehenden Produkte sind  von so schlechter Qualität, dass sie trotz des großen Fußabdrucks nur für kurze Zeit nutzbar sind.

Die treibendste Kraft in der Fast Fashion Industrie ist der stetig wachsende Kaufdurst der Konsumenten, die sich bereitwillig von Modetrends leiten lassen. Neue modische Kleidung steht dabei für Status und Selbstverwirklichung, egal wie günstig diese war. Die Schnäppchenjagdt ist zum Trendphänomen geworden.

Die Gegenbewegung Slow Fashion wächst, ist aber noch längst kein ernstzunehmender Gegner für die Fast Fashion Industrie. Wir müssen unseren Modekonsum verlangsamen, um die hemmungslose Verschwendung von Ressourcen einzudämmen.

12. Tipps

Was also tun, um der Fast Fashion Industrie so wenig wie möglich in die Hände zu spielen?

  • Gebraucht kaufen, verkaufen & tauschen: Second Handshops, Kleiderkreisel oder Flohmärkte bieten etliche Möglichkeiten Kleidung second Hand zu kaufen. Darüber hinaus kannst du eine Kleidertausch Party organisieren: Alle deine Freunde bringen aussortierte Kleidung mit und stellen sie kostenlos für die anderen zur Verfügung. Am Ende freut sich jeder über neue Schätze und hat nicht einmal Geld dafür ausgegeben.

  • Nur perfektes kaufen, was du wirklich brauchst: Ich frage mich inzwischen vor jedem Kauf „Ist das eine 10 von 10?“. So stellst du sicher, dass du nur Outfits kaufst, die du auch gerne und lange tragen wirst.

  • Biobaumwolle & Fair: Für die Produktion von Biobaumwolle werden weniger Insektizide und Wasser eingesetzt. Damit ist sie ein echter Vorteil. Es gibt außerdem Läden, die ausschließlich fair und ökologisch produzierte Kleidung verkaufen. Dafür musst du zwar tiefer in die Tasche greifen, erhältst dafür aber meist deutlich bessere Qualität.

  • Kleidung schonen: Versuche deine Kleidung seltener und bei einer geringeren Schleuderzahl zu waschen. Nutze auch die Möglichkeit deine Kleidung draußen auszulüften. Dadurch nutzen sie sich weniger ab und du kannst sie länger nutzen.

  • Vegane und recycelte Stoffe: Um der Erzeugung von Tierleid vorzubeugen ist die einfachste Möglichkeit auf Textilien tierischer Herkunft zu verzichten. Es gibt inzwischen tolle Alternativen wie beispielsweise Leder aus der Ananaspflanze. Besonders im Outdoor- und Rucksackbereich findest du außerdem auch viele recycelte Textilien (zum Beispiel aus Meeresabfall oder alten Fischernetzen).
fast fashion reparieren
  • Kaputtes reparieren: Nähe deine Kleidung, wenn sie kaputt