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Minimalistisch leben

- Vorteile und Tipps für den Einstieg

Impulseinkäufe haben wir alle schon gemacht. Sei es spontan ein neues T-Shirt zu kaufen oder auch ein neues Shampoo auszuprobieren. Trotzdem würden sich Wenige von uns als Konsumjunkies bezeichnen. Doch egal ob exzessives oder gelegentliches Shoppen, mit der Zeit häufen sich immer mehr Konsumgüter bei uns Zuhause an. Was wir davon nicht brauchen, merken wir manchmal schon nach einem Tag; andere Dinge genießen wir für mehrere Wochen und wieder andere verlieren erst nach Jahren ihren Reiz. Das sogenannte Ausmisten gehört in unserer westlichen Welt zur absoluten Standardbeschäftigung und verleiht im Anschluss das kurze Gefühl etwas Ballast losgeworden zu sein. Doch der geschaffene Raum verschwindet meist genauso schnell wieder, wie er entstanden ist.

Es muss doch einen Ausweg aus dem ewigen Kreislauf von „Kaufen-und-wegwerfen“ geben. Ein Konzept dafür ist das minimalistische Leben.

Minimalismus Definition

Aber was genau ist Minimalismus überhaupt? Und was zeichnet ein minimalistisches Leben aus? In einem minimalistischen Leben ist das Prinzip der Einfachheit zentral. Es geht um eine freiwillige Reduzierung des eigenen Konsums auf das Wesentliche, ohne dass der Gedanke von Verzicht eine Rolle spielt. Er bietet ein Gegenstück zur modernen Konsumgesellschaft und gibt den wenigen Dingen, die man besitz und besonders immateriellen Erlebnissen mehr Bedeutung. Auf lange Sicht soll damit mehr Wertschätzung und Zufriedenheit erlangt und durch die Befreiung von Konsumzwängen ein bewussteres Leben erreicht werden. In einem minimalistischen Leben spielt also auch das Mindset eine entscheidende Rolle.

In der Regel lebt man dabei unter den Verhältnissen, die man sich leisten könnte. Die Gründe für Konsumentscheidungen verlagern sich von Bedürfnisbefriedigung und Status auf rein funktionale Gründe.
Ein minimalistisches Leben muss dabei, hingegen der Klischees, keineswegs farblos oder eintönig sein. Er setzt sich nur aus weniger Komponenten zusammen.

Ausprägungen eines minimalistischen Lebens

Natürlich gibt es den minimalistischen Lebensstil in verschiedensten Ausprägungen. Ganzheitliche Minimalisten gehen zum Teil soweit, dass sie aufs Land ziehen, um auch ihre Lebensmittel selbst anzubauen und zum kompletten Selbstversorger werden. Sie gehen in der Philosophie des Minimalismus ganz auf.

Andere nehmen eher die Philosophie in ihr Mindset auf, und legen dadurch weniger Wert auf das Geldverdienen und mehr auf die eigene Freizeit.

Wieder andere, und sicherlich die meisten, schränken punktuell in einzelnen Bereichen ihren Konsum ein. In dieser vergleichsweise bequemen Variante des minimalistischen Lebens spielt die Setzung von Prioritäten eine große Rolle. Vermutlich sind dabei auch nachhaltige Aspekte zentraler als der Gedanke einer Selbstbefreiung von Konsumzwängen.

Minimalismus und Nachhaltigkeit

Ist Minimalismus per se nachhaltig? Die Antwort ist in der Regel JA, da wesentlich weniger konsumiert wird als sonst in der Konsumgesellschaft üblich. Dadurch werden zahlreiche Ressourcen geschont und es fällt wesentlich weniger Müll an.
Darüber hinaus werden die wenigen Produkte, die gekauft werden, bei einem minimalistischen Lebensstil in der Regel wesentlich bewusster und mit einem starken Augenmerk auf Qualität und eine lange Lebensdauer gekauft.
Dies geht mit einer nachhaltigen Lebensphilosophie Hand in Hand, was durch den Kauf von biologisch und fair produzierten Produkten noch ausgeweitet werden kann. Das schöne dabei ist, dass man durch das Nicht-Kaufen vieler Produkte mehr finanzielle Mittel für qualitativ hochwertige und biologisch produzierte Waren aufbringen kann, wodurch der Preis bei der Auswahl nicht weniger stark ins Gewicht fällt.

Weitere Vorteile des minimalistischen Lebens

Mehr Hirnkapazität für andere Dinge

Laut einer Studie der Columbia Universität treffen wir am Tag im Schnitt 70 Entscheidungen. Je mehr Entscheidungen wir im Laufe des Tages treffen, desto mehr tritt das Phänomen der „Entscheidungsmüdigkeit“ auf. So wird es dir am Abend schwerer fallen reflektierte Entscheidungen zu treffen und du wirst vielleicht doch zu dem Stück Kuchen greifen, dem du früher am Tag widerstanden hast. Wenn du also unwichtige Entscheidungen wie „Was ziehe ich heute an?“ oder „Die braune, die schwarze oder die Blaue Tasche?“ weglassen kannst, hast du es im Laufe des Tages leichter Entscheidungen zu treffen. Auch schlicht weniger Auswahl zu haben, kann dabei helfen.

Bekannt für dieses Prinzip ist zum Beispiel Mark Zuckerberg, der ausschließlich Blaue und Schwarze Shirts und Pullis im Schrank hat.

Die Einfachheit genießen

Es kann unglaublich befreiend sein, sich über vieles keine Gedanken mehr machen zu müssen. Bewertungen und Berichte über das neuste Wunschobjekt zu lesen, fällt bei einem minimalistischen Leben größtenteils weg. Die Qual der Wahl löst sich also sozusagen in Luft auf.

Auch kannst du die Zeit, die du nicht mit shoppen verbringst, gut für andere Dinge nutzen, die dir selbst guttun oder dich weiterbringen.

Zudem verbringst du viel weniger Zeit damit aufzuräumen, weil du schlicht weniger Dinge hast. Dadurch bist du generell in einem ordentlicheren, übersichtlicheren Umfeld.

Bewusster leben

Wenn du doch einmal eine Neuanschaffung brauchst, triffst du die Entscheidung ganz bewusst, da dieser seltene Kauf viel mehr Bedeutung hat als zuvor. Dadurch lässt du dich viel weniger von Impulsen und Gefühlen leiten. Mit deiner bewussteren Wahl wirst du auf Dauer viel zufriedener sein, da du alle Vor- und Nachteile im Vorhinein genau abgewägt hast.

In ein minimalistisches Leben einsteigen

Es gibt viele gute Gründe für ein minimalistisches Leben. Warum also nicht auch damit beginnen? Wenn du Lust bekommen hast, wollen wir dir hier ein paar Tipps geben, wie eine Umstellung nach und nach gelingen kann. Ich halte einen Wechsel von heute auf morgen zum extremen Minimalismus für unrealistisch und möchte deshalb hier zeigen, wie du langsam beginnst einzelne Bereiche in ein minimalistischeres Leben umzuwandeln.

1. Setze Prioriäten

Mach dir klar, welche Bereiche dir besonders wichtig sind und welche weniger. Fange ruhig bei dem an, was dir am leichtesten fällt und verabschiede dich gezielt von Dingen, die du selten oder ungern benutzt. Wenn du möchtest, kannst du dir zudem Ziele stecken, was du zum Beispiel bis in einem Jahr geschafft haben möchtest.

2. Hinterfrage deinen Konsum

Hinterfrage deinen Konsum und auch dein Nutzungsverhalten. Was ist wirklich wichtig und was ist eigentlich überflüssig? Dabei ist es nicht unbedingt ein Indikator, ob du ein Objekt oder ein Produkt jeden Tag nutzt. Manche Dinge benutzen wir einfach aus Gewohnheit. Sich davon zu lösen und Raum für Einfachheit zu schaffen ist ein großer Schritt.

3. Beginne auszumisten

Am Anfang von weniger Besitz steht die Reduzierung von Unnötigem. Hast du dir deine Prioritäten gesetzt, beginne auszumisten. Das kann zum Beispiel bedeuten, statt 4 verschiedener Haarpflegeprodukte nur noch eines zu benutzen. Für jemand anderen bedeutet es vielleicht, seine Bücher zu verschenken.

Schmeiße aber bitte nichts weg! Verkaufe oder verschenke die Sachen auf Ebay-Kleinanzeigen oder nehme an einem Flohmarkt teil. Alternativ kannst du alles zu einem Secondhand-Shop oder einem Sozial-Kaufhaus bringen.

Bei einem minimalistischen Leben geht es nicht um eine einzige Entscheidung des Reduzierens. Es ist ein andauernder Prozess.

4. Nutze Vorhandenes besonders lange

Hast du soweit ausgemistet, dass du mit einem minimalistischeren Leben starten kannst, achte unbedingt darauf deinen vorhandenen Dingen ein möglichst langes Leben zu schenken. Dies kann durch verschiedene Maßnahmen erleichtert werden:

  • Nutze für Technik Schutzfolien und Hüllen
  • Wasche Kleidung seltener
  • repariere Kaputtes mit Hilfe von Youtube Tutorials, Repair Cafés oder bringe es zu Profis

5. Nutze Sharing & Leihservices

Etwas nicht zu besitzen, muss kein Verzicht sein. Dies gilt besonders bei Autos und Dingen, die man selten nutzt. Neben Carsharing, kannst du zum Beispiel auch für besondere Anlässe eine Kamera ausleihen oder mieten, ebenso wie zum Beispiel Cocktail- oder Abendkleider.

Für nicht kommerzielles Ausleihen von Kleinigkeiten, kann die Nachbarschaftsplattform nebenan.de eine große Hilfe sein.