pet flaschen

PET Flaschen

- Produktion, Recycling & Nachhaltigkeit

Deutschland ist zu Recht stolz auf sein ausgeklügeltes Pfandsystem. Bepfandet werden Mehrwegflaschen aus Glas oder Plastik, doch den größten Anteil machen Einwegflaschen aus – Einwegflaschen aus PET. Ihr leichtes Gewicht und die Bruchsicherheit machen sie bei Konsumenten besonders beliebt. Doch was hat es mit PET auf sich? Wie wird es recycelt und wie umweltfreundlich ist es? Wir haben uns durch Studien gelesen und es für dich herausgefunden.

1. Was ist PET?

PET steht für Polyethylenterephthalat und gehört zu den thermoplastischen Kunststoffen, das heißt es wird durch Wärmezufuhr weich und formbar. Die beiden wichtigsten Inhaltstoffe zur PET-Herstellung gewinnt man in der Regel aus Erdöl.
PET wurde 1941 entwickelt, zunächst aber nur als Textilfaser verwendet, denn es gehört zur Gruppe der Polyester. 1973 wurde die erste PET Flasche hergestellt und fand im Anschluss vor allem durch Coca Cola weite Verbreitung (Mehr zur Geschichte von Kunststoff). Besonders in der Lebensmittelindustrie ist PET beliebt, wegen seines günstigen Preises und seiner Eigenschaften. Dazu gehört zum Beispiel, dass PET eine Barriere für Sauerstoff und Wasser bildet, was für die Verpackung von Lebensmitteln sehr vorteilhaft ist.

Heute werden in Deutschland jährlich circa 916.000 Tonnen PET verarbeitet (2017). Es macht damit 6,4% an allen verarbeiteten Kunststoffen in Deutschland aus (14,4 Mio. Tonnen).

Infografik pet plastik

Vorteile

  • gute Verarbeitungseigenschaften
  • günstig
  • gute Eigenschaften als Verpackungsmaterial
  • bruchsicher
  • transparente Farbe möglich
  • Recycling möglich
  • geringes Gewicht
  • lange Haltbarkeit

Nachteile

  • Nicht biologisch abbaubar
  • Nicht für alle Füllgüter geeignet (Lebensmittelindustrie)

2. PET Flaschen: Was gibt es noch?

PET macht 15% aller Plastikverpackungen aus. Dazu gehören zum Beispiel die Einwegflaschen, die man daran erkennt, dass sich das dünne PET mit dem Finger eindrücken lässt. Mehrwegflaschen bestehen meist aus dickerem Material und tragen einen Mehrweghinweis auf dem Etikett.

Neben Flaschen werden auch Plastikschalen und -deckel für Obst und Gemüse oder To Go-Artikel häufig aus PET hergestellt, sowie auch Luftpolsterfolie. Auch in sogenannten Standbodenbeuteln wie der Capri Sonne, kommt PET in Verbindung mit Aluminium vor. Zudem können Folien aus PET sein, nicht zu vergessen auch Fasern, wie zum Beispiel die PET-Tüte.

3. Recycling

Über 360.000 Tonnen PET Flaschen wurden 2015 in Deutschland recycelt. Hinzu kommen 60.000 Tonnen an PET Verpackungen, die nicht für Getränke genutzt wurden. Ganze 96% der PET-Pfand-Flaschen werden ordnungsgemäß zurückgegeben. Doch was passiert eigentlich nachdem meine Pfandflasche in den Automaten gewandert ist?

1. Schritt: Vom Automaten zum Recyclingwerk

Nachdem die Pfandflaschen abgegeben wurden, werden sie zerdrückt und in Ballen dem Recyclingwerk angeliefert. Dort werden sie zunächst nach Farben sortiert, denn diese bleibt auch nach der Weiterverarbeitung im Material.

Flaschen in Braun und Opak werden meist nur zu Fasermaterial weiterverarbeitet, nicht zu neuen Flaschen.

2. Schritt: Reinigung

Anschließend wird das PET gewaschen und zu Flakes zermahlen. Je nach Qualität des Materials, finden weitere Reinigungsprozesse statt sowie eine intensive Tiefenreinigung. Diese kann durch die Zugabe von Chemikalien oder durch thermische Verfahren geschehen. Sehen wir uns zwei mögliche Verfahren an:

Schmelzfiltration:

Bei der Schmelzfiltration werden die PET-Flakes im Vakuum eingeschmolzen und nichtschmelzendes Fremdmaterial herausgefiltert. Anschließend wird das gereinigte PET zu Granulat kristallisiert. Nach dieser Reinigung ist das recycelte PET für den Lebensmittelkontakt geeignet. Allerdings können sich durch die hohen Temperaturen die Molekülketten verkürzen, welche durch ein weiteres Verfahren (Polykondensation) wieder verlängert werden können. Durch die hohen Temperaturen kann außerdem Acetaldehyd entstehen, wodurch das Material kontaminiert wird.

URRC Prozess:

Ein alternativer Reinigungsprozess ist der URRC Prozess, bei dem das PET mit Natronlauge benetzt wird. Dadurch löst sich die Oberfläche des PETs zusammen mit Verunreinigungen, die in einem weiteren Schritt entfernt werden. Auch das so entstehende PET-Flake ist für den Lebensmittelkontakt geeignet.
Bei diesem Verfahren werden die Molekülketten nicht beschädigt, allerdings entstehen bei dem Prozess Nebenprodukte, die in einem weiteren Schritt vom Material entfernt werden müssen. Zudem können Fremdstoffe, die sich innerhalb des PETs befinden, unter Umständen nicht entfernt werden. Anschließend müssen die PET-Flakes für die Weiterverarbeitung in die Granulatform gebracht werden.

3. Schritt: Fertig für die Weiterverarbeitung

Das auf die eine oder andere Weise gereinigte rPET (recyceltes PET) kann dann in Pellet-Form zur Weiterverarbeitung ausgeliefert werden. Recyceltes PET macht an allen PET Verpackungen ungefähr 27,6 % aus (2015). Mehr zum allgemeinem Plastikrecycling erfährst du in diesem Artikel. 

4. Bottle to Bottle Verfahren

Das Ziel des Bottle-to-Bottle Verfahrens ist alte Flaschen durch Recycling für die Herstellung neuer Flaschen zu nutzen. Was hier simpel klingt, ist in der Praxis nicht ganz so einfach. Denn aus Gründen der Handhabung wird in Deutschland vor allem farbloses rPET (recyceltes PET) verlangt. Deshalb wird vor allem transparentes Material im Bottle-to-Bottle Verfahren verwendet. Farbiges Material erfährt hingegen oft eine Aufbereitung für Faseranwendungen (zum Beispiel Fleece). Eine Ausnahme bilden die farbigen PET-Flaschen von LIDL, die durch ihren Farbcode erkannt, und von LIDL selbst wieder zu neuen Flaschen verarbeitet werden können. Derzeit beträgt der Rezyklatanteil in den PET Flaschen ungefähr 26%. Durch das sonderverfahren bei LIDL, liegt dort der Rezyclatanteil der Flaschen sogar bei 55%.

PET-Flaschen, die zum Beispiel doppelwandig sind oder bestimmte Additive enthalten, sind für das Bottle-to-Bottle Verfahren nicht geeignet.

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5. Vor- und Nachteile des Recyclings

Pfandflaschen sind ein qualitativ hochwertiges Ausgangsmaterial, das gut für Recycling und für Lebensmittelkontakt geeignet ist. Ein wichtiger Vorteil ist ganz klar die Schonung von Ressourcen. Auch ist das recycelte Material günstiger, jedoch ist die Preisdifferenz zu neuem PET in den letzten Jahren stark gesunken. Leider ist in der Praxis noch nicht erforscht, wie sich Mehrfachrecycling über lange Zeiträume auf das Material auswirkt. Es könnte zum Beispiel zu einer Anreicherung von Additiven oder Verunreinigungen kommen, wobei strenge Richtlinien das verhindern sollen.

6. Sind PET Flaschen umweltfreundlich?

Für die Beantwortung dieser Frage müssen verschiedene Faktoren beachtet werden. Der entscheidende Vorteil der PET Flaschen ist ihr Gewicht, wodurch beim Transport viel CO2 eingespart werden kann. Hinsichtlich der Ökobilanz ist die bepfandete Einweg-PET Flasche sogar fast auf einer Stufe mit Mehrweg-Glasflaschen. Allerdings muss man beachten, dass PET auf fossilen Rohstoffen basiert und nicht biologisch abbaubar ist.
PET-Flaschen für Säfte, Milch oder Bier, die durch zusätzliche Schichten oder Additive verstärkt werden, können schwerer recycelt werden als herkömmliche PET-Flaschen und haben dadurch eine schlechtere Ökobilanz. Gleiches gilt auch generell für alle unbepfandeten PET-Flaschen, da sie weniger effektiv recycelt werden.
PET Mehrwegflaschen hingegen überholen sogar die Mehrweg-Glasflasche, denn sie haben ein geringeres Gewicht und können bis zu 20 mal wiederbefüllt werden.

infografik pfandflaschen

7. PET-Mehrwegflaschen: Eine universelle Lösung?

PET-Mehrwegflaschen kommen leider immer weniger zum Einsatz, obwohl sie eine deutlich bessere Ökobilanz aufweisen. Warum also nicht alle Einweg- durch Mehrwegflaschen ersetzen? In vielen Bereichen würde das sicherlich funktionieren, doch leider eigenen sich die Mehrweg-PET-Flaschen wegen ihrer Materialeigenschaften nicht für alle Getränkearten. Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass Mehrweg-PET-Flaschen vor allem bei Wasser und Softgetränken angeboten werden. Bier, Säfte und Milch werden in dieser Verpackungsform nicht angeboten. Dies liegt daran, dass sie entweder höhere Barriereanforderungen an das Material haben oder die gründliche Reinigung der Flaschen hohe Temperaturen voraussetzen würde, die das Material nicht verkraftet.

8. Biologisch basiertes PET: Eine Alternative?

Es gibt Bio-basiertes PET, das aus pflanzlichen Ausgangsmaterialien wie Zuckerrohr, Mais oder Kartoffeln hergestellt wird. Diese werden in industriellen Prozessen zu chemischen Grundstoffen verarbeitet und machen dann je nach gewünschtem Endprodukt zwischen 20 und 100 Prozent am Kunststoff aus. Dadurch kann auf den Abbau von fossilem Erdöl zum Teil verzichtet werden und auch die Treibhausgasemissionen sind meist geringer als bei herkömmlichem PET. Doch dieses Märchen hat eine Schattenseite: die Pflanzen werden meist unter großem Dünger- und Pestizideinsatz in Monokulturen angebaut, wodurch sie zur Versauerung der Böden beitragen. Ein wichtiges Anbauland ist im Moment Brasilien, wo unter geringen Umweltstandards angebaut wird und die Dumpingpreise die Armut in den Anbauregionen verstärkt.
2017 machten biobasierte Kunststoffe 1% an der weltweiten Kunststoffproduktion aus, doch je mehr die Nachfrage steigt, desto höher wird der Druck für mehr Anbauflächen womit Wassermangel, Artensterben und der Verlust natürlicher Lebensräume einher gehen.

9. Fazit

PET Flaschen haben viele Vorteile, doch sie basieren auf fossilen Rohstoffen und der werkstoffliche Recyclinganteil ist noch vergleichsweise gering, weshalb wir besonders von PET Einwegflaschen die Finger lassen sollten. Anders verhält es sich mit PET Mehrweg Flaschen, da diese eine recht gute Ökobilanz haben. Es bleibt zu hoffen, dass mehr und effektiveres Recycling betrieben wird, sodass es zu weniger Downcycling von Altplastik und zu mehr Bottle to Bottle Verfahren kommt.

Trotzdem ist wie immer die beste Verpackung gar keine Verpackung. Also trinke am besten Leitungswasser! Dadurch vermeidest du den Abbau von Rohöl für das PET sowie die Transportwege des Wassers. Wenn du nicht ohne Sprudelwasser und Softgetränke kannst, besorge dir einen Sodastream. Damit kannst du Wasser aufsprudeln und durch den Zusatz von Sirup leckere Softdrinks zaubern!
Besorge dir außerdem eine Flasche für unterwegs, die dich im Alltag begleitet. Dass eine solche Flasche viel mehr zu erzählen hat wie eine austauschbare Einwegflasche beweist das Projekt „Message in a Bottle„.

Quellen: 

Nabu-Studie Verwendung und Recycling von PET in Deutschland: https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/veranstaltungen/171025-nabu-01b_studie_verwendung-und-recycling-pet-deutschland.pdf

https://www.bvse.de/images/news/Kunststoff/2018/181011_Kurzfassung_Stoffstrombild_2017.pdf

https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/chemie/chemie_plastikatlas_2019.pdf

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/ressourcenschonung/einzelhandel-und-umwelt/mehrweg/nabumehrwegguide.html

Stand: 31.01.2020

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ihr Lieben,

    toller Artikel… Dankeschön ?
    Ich bin absoluter Gegner von PET. Ich liebe Glas und Edelstahl und auch die Mehrweg PET Flasche ist nicht mein Freund… Zuhause sprudeln wir übrigens auch unser Wasser.

    Viele liebe Grüße

    Stefanie Betken ?

    1. wendy

      Liebe Stefanie,

      danke für deinen Kommentar 🙂 wir setzen auch vor allem auf Glas. PET-Flaschen, mehrweg oder nicht, bestehen eben immer noch aus erdölbasiertem Plastik. Das vermeiden wir auch lieber 🙂

      Liebe Grüße
      Wendy & Jorge

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