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Nachhaltigkeit in der Schule

9 Tipps für mehr Nachhaltigkeit in deinem Schulalltag

Du bist Lehrerin oder Lehrer und möchtest mehr Nachhaltigkeit in deinen Schulalltag einfließen lassen? Dann bist du hier goldrichtig! Schön, dass du da bist, denn du kannst einiges bewirken. Im Vergleich zu vielen Angestelltenverhältnissen im Büro, kannst du nämlich häufig nicht nur für dich, sondern gleich für eine ganze Klasse entscheiden. Und mit den richtigen Ansätzen kannst du vielleicht sogar dem ein oder anderen Schüler etwas mit auf den Weg geben.

Warum ist Nachhaltigkeit in der Schule wichtig?

Als Lehrer verbringst du einen nicht unwesentlichen Teil deines Tages in der Schule. Deshalb ist es umso wichtiger Nachhaltigkeit nicht nur in dein Privat-, sondern auch in dein Berufsleben einzubringen.

Noch wichtiger sind aber deine Schüler. Denn seien wir ehrlich: In der Schule geht es um mehr als das Lernen von Formeln, Vorkabeln und geschichtlichen Fakten. Die Schülerinnen und Schüler bilden ihre Persönlichkeit aus und lernen mit den Strukturen unserer Gesellschaft umzugehen. Und sollte es nicht das oberste Ziel sein, dass die Schülerinnen und Schüler in der Schule etwas für ihr Leben lernen?
Du kannst als Lehrer wichtige Impulse in Sachen Nachhaltigkeit geben, die die Schüler zuhause oder in ihrem Umfeld sonst vielleicht nicht erhalten. Und wenn sie Nachhaltigkeit als einen wichtigen Wert in ihrem Leben aufnehmen, wird es in ihrem späteren Leben einen anderen Stellenwert erhalten. Dies wird sich unter Umständen auf ihren Haushalt und vielleicht sogar ihre Berufswahl auswirken.
Je früher sie also Nachhaltigkeit in der Schule für sich entdecken, desto natürlicher wird es sich auch später für sie anfühlen. Umso kleiner ist auch die Umstellung, die sie durchlaufen, da sie noch keinen eigenen Haushalt führen und Nachhaltigkeit dafür von Anfang an einfließen kann.

Sehen wir uns an, was du tun kannst, um Nachhaltigkeit in deinen Unterricht und deinen Schulalltag einfließen zu lassen.

1. Sei ein gutes Vorbild

Bringe dein nachhaltiges Verhalten mit in die Schule. Habe zum Beispiel deine eigene Wasserflasche zum Auffüllen und ggf. auch einen Mehrweg-Kaffeebecher dabei. Lasse dir Essen unterwegs in deine eigene Dose packen und habe für die Bäckerei ein Stoffbeutelchen dabei. Kurz gesagt: zeige durch dein eigenes Verhalten wie es anders geht, ganz ohne belehrend oder aufdringlich zu sein. Mehr Tipps zur generellen Plastikvermeidung findest du hier.

2. Filmauswahl vor den Ferien

Kurz vor den Ferien werden im Unterricht häufig Filme angesehen. Sind wir ehrlich, Actionfilme oder Komödien können sich heutzutage alle Schüler auf diversen Streaming-Plattformen ansehen. Deshalb ist das deine Chance, einen Film zu zeigen, der einen Eindruck hinterlässt. Hier einige Beispiele:

  • Tomorrow: Ein sehr positiver Film, der zeigt, wie im kleinen Rahmen viele nachhaltige Projekte in Landwirtschaft und Wirtschaft umgesetzt werden. Inspirierend und ermutigend, allerdings wird die Problematik der Klimakrise dadurch sehr heruntergespielt. (kann auf Amazon geliehen werden)
  • The Game-Changers: Diese Doku berichtet auf sehr ansprechende Weise von Leistungssportlern und berühmten Persönlichkeiten, die sich vegan ernähren und wirft zudem einen Blick auf gesundheitliche Auswirkungen der Vollkost im Vergleich zur pflanzlichen Ernährung. (zu finden auf Netflix)
  • A Plastic Ocean: Beeindruckende Naturdoku, die das Plastikproblem in den Ozeanen verdeutlicht. (zu finden auf Netflix)
  • Taste the Waste: Eine Doku über Lebensmittelverschwendung, die Zahlen und Fakten nennt und die Ausmaße der Verschwendung in verschiedenen Bereichen veranschaulicht. (Zu finden auf YouTube hier oder mit Unterrichtslizenz hier)
  • Aluminium – Zeitbombe im Körper: Eine Doku über den Aluminium-Abbau und dessen verheerende Folgen für Natur und Mensch. (Zu finden auf YouTube
  • Süß für uns, bitter für Afrika – Schokolade: Eine Doku über Kakaoanbau und die damit verbundene Kindersklaverei an der Elfenbeinküste. Zwar geht es nicht direkt um Nachhaltigkeit, doch zeigt der Film die Auswirkungen unseres unbedachten Konsums auf andere Ländern und deren Bevölkerung. (Zu finden auf  YouTube
  • We feed the world: Achtung, dieser Film ist nichts für schwache Nerven und sollte nur in der Oberstufe gezeigt werden. Fragt eure Klasse vorher, da auch Aufnahmen vom Schreddern von Küken und dem Schlachten von Hühnern gezeigt werden. (kann bei Amazon geliehen werden)

3. Aufgabenstellungen mit Hintergrundinfos

Je nach dem, welches Fach ihr unterrichtet, könnt ihr durch die von euch gestellten Aufgaben ganz nebenbei nachhaltiges Hintergrundwissen vermitteln. Mathematik oder Physik eignen sich besonders gut, da man zum Beispiel die Auswirkung verschiedener Umweltprobleme errechnen lassen kann.

Ein Beispiel: Jedes Jahr gelangen bis zu 30 Millionen Tonnen Plastik in die Meere.  Berechne die Entwicklung in den nächsten 30 Jahren und zeichne ein Schaubild.

Für Sprachen könnt ihr für die Übungstexte gelegentlich ein nachhaltiges Thema wählen. Vorausgesetzt natürlich, man findet diese auf dem passenden Niveau, weshalb dies vermutlich vor allem für höhere Klassenstufen in Frage kommt.
Bei UNICEF gibt es unter dem Motto „The World’s Largest Lesson“ Unterrichtsmaterialen zu den 17 globalen Zielen. Von dem Segment „Climate Action“ ist bisher leider kaum etwas auf Deutsch übersetzt. Zur Inspiration können aber sicherlich auch die englischen Versionen hilfreich sein. Ihr findet sie hier.

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4. Nachhaltigkeits AG

Nutze deinen Bildungsauftrag, um mit Schülerinnen und Schülern, die sich für das Thema interessieren eine Nachhaltigkeits-AG zu gründen. Mit Projekten könnt ihr in eurer Schule etwas verändern und euch gleichzeitig ein Grundwissen über Themen wie Plastik im Ozean, Mikroplastik oder erneuerbare Energien aneignen. Startet zum Beispiel mit einer Plakataktion, die informiert oder mit knappen Aufrufen zu nachhaltigem Handeln auffordert. 

Ein Beispiel: Wusstest du, dass für die Produktion einer Flasche mehr Wasser benötigt wird als sie enthält? Fülle lieber deine Flasche auf!

Nach und nach könnt ihr auch größere Projekte in Angriff nehmen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Schul-Beet mit bienenfreundlichen Blumen oder der Installation eines eigenen Mini-Windrads? Je enthusiastischer deine Gruppe von Schülern, umso leichter wird auch die Schulleitung von euren Unterfangen zu überzeugen sein.

5. Nachhaltige Projekttage

Übernehmt doch für die nächsten Projekttage ein Nachhaltigkeits-Projekt. Komprimiert größere Projekte auf die Dauer der Projekttage oder sucht zum Beispiel ein kleines Upcycling Projekt heraus. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn nicht jede Upcycling-Idee ist  nachhaltig. Aus einer PET-Flasche zum Beispiel Blumentöpfe zu basteln, hat mit Upcycling nichts zu tun. Denn bepfandete PET Flaschen können, wenn sie im Pfandautomaten zurückgegeben werden, besonders gut recycelt werden, da sie nicht verschmutzt und gut vorsortiert sind. (Mehr dazu hier). Werden die Flaschen zerschnitten und verschmutzt, ist diese Weiterverwertung nicht mehr möglich.

6. Nachhaltige Klassenfahrt

Die Klassenfahrt ist eine besonders tolle Stellschraube, bei der ihr euch gut für mehr Nachhaltigkeit einsetzen könnt. Stellt euch folgendes vor: Wenn ihr es schafft, eure Klasse davon zu überzeugen mit Bahn oder Bus auf Klassenfahrt zu fahren, statt zu fliegen, habt ihr an die 30 Hin- und Rückflüge verhindert. Für eine Reise von Berlin nach Rom wären das für 30 Schüler über 17 Tonnen CO2, die eingespart werden. Davon können 8,5 Menschen ein ganzes Jahr lang Auto fahren. Hier kannst du dir ausrechnen lassen wie viel CO2 ein Flug für eine bestimmte Strecke erzeugt. 
Bei der Deutschen Bahn gibt es übrigens eine eigene Seite für die Buchung von Fahrten plus Hotels für Schulklassen, wo ihr zusätzlich Gruppenrabatte erhalten könnt.

7. Unterstütze Fridays 4 Future

Mit Fridays for Future erheben Schülerinnen und Schüler ihre Stimmen für mehr Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Unterstützt diese Bewegung, indem ihr euren Schülern die Teilnahme an den Demos erleichtert. Das bedeutet zum einen, dass ihr die Fehlzeit duldet und nicht sanktioniert und zum anderen dass ihr euren Schülern vielleicht sogar durch Lernmaterial zum Nachholen des Stoffs entgegenkommt. Wenn ihr könnt und dürft, könnt ihr natürlich auch selbst an den Demos teilnehmen. 

8. Nachhaltiges Lehrerzimmer

Im Lehrerzimmer gibt es einige Stellschrauben, die sich mit der Unterstützung des Kollegiums leicht umsetzen lassen. Habt ihr eine Filterkaffeemaschine für alle? Schlage deinen Kollegen vor, einen Mehrweg-Filter aus Stoff oder Metall anzuschaffen, statt täglich mehrere Einweg-Filter zu verbrauchen. Auch kannst du die Anschaffung von Wasserkaraffen für alle anregen, um den Gebrauch von Einwegflaschen einzudämmen. Setze dich außerdem für Mülltrennung ein, falls diese noch nicht vorhanden ist. Zudem ist es immer hilfreich mit Kollegen über Nachhaltigkeit ins Gespräch zu kommen.

9. Papier sparen

Dieser Tipp klingt simpel. Aber wusstest du, dass der Papierverbrauch Deutschlands so hoch ist, wie der von Afrika und Südamerika zusammen? Die Schule ist leider nach wie vor einer der Orte, an denen sehr viel Papier verbraucht wird. Spare also Papier, wenn es dir ohne negative Auswirkungen für den Unterricht möglich ist. Drucke zum Beispiel Doppelseitig oder sogar mehrere Seiten auf ein Blatt und versuche eure Schulbücher oder das Smartboard zu nutzen, um zusätzliche Arbeitsblätter zu vermeiden. Drucke außerdem auf Umweltpapier, denn dies hat durch den hohen Recyclinganteil einen erheblich niedrigeren Energie- und Wasserverbrauch. Vielleicht kannst du sogar die Schulleitung überzeugen, ganz auf Recyclingpapier umzusteigen. Mehr zum Thema Papierproduktion und -recycling findest du hier

Fazit

Als Lehrer kann man in Sachen Nachhaltigkeit so einiges bewirken. Da ihr viel Kontakt zu anderen Menschen und Kindern habt, könnt ihr im Vergleich zu anderen Berufen durch euer Verhalten besonders viel beeinflussen und schneller andere Menschen inspirieren. Deshalb kann ich schon jetzt sagen, dass ihr auf einem super Weg seid! Bei Nachhaltigkeit muss es keinesfalls um bloße Fakten gehen. Ihr könnt euch dem Thema auf verschiedenste Weise widmen und eurer Kreativität freien Lauf lassen!

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